Bauch, Beckenboden und tiefe Rückenmuskulatur bilden gemeinsam eine zentrale Einheit für Stabilität, Haltung und Bewegung. Doch was genau ist mit „Powerhouse“ gemeint – und warum spielt es eine so wichtige Rolle?
Was ist das Powerhouse?
Der Begriff Powerhouse beschreibt vereinfacht das Zentrum unseres Körpers – den Bereich, der unseren Rumpf stabilisiert und
Bewegungen kontrolliert unterstützt.
Dazu gehören insbesondere:
- die tiefe Bauchmuskulatur, allen voran der Musculus transversus abdominis,
- der Beckenboden,
- die tiefen Rückenstrecker, insbesondere die Mm. multifidi,
- und funktionell auch das Zwerchfell als wichtiger Bestandteil des Rumpfdrucksystems.
Das Powerhouse ist deshalb nicht einfach mit einer „starken Bauchmuskulatur“ gleichzusetzen. Es geht vielmehr um das Zusammenspiel verschiedener Muskeln, die den Rumpf stabilisieren und Bewegungen aus der Körpermitte heraus unterstützen.
„Bauch“ ist nicht gleich Bauch.
Wenn wir über die Aktivierung des Powerhouses sprechen, ist mit „Bauch“ nicht in erster Linie der sichtbare gerade Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis) gemeint.
Im Zentrum steht der Musculus transversus abdominis, der tiefste der seitlichen Bauchmuskeln. Er verläuft nahezu horizontal um den Rumpf und trägt wesentlich zur aktiven Stabilisierung des Rumpfes bei.
„Unterer Rücken“ ist mehr als nur der untere Rücken.
Auch der Begriff „unterer Rücken“ kann irreführend sein. Gemeint sind nicht nur Muskeln unmittelbar im Bereich der Lendenwirbelsäule.
Eine wichtige Rolle spielen die tiefen Rückenmuskeln, insbesondere die Multifidi. Sie liegen segmentnah an der Wirbelsäule und unterstützen deren Stabilisierung und kontrollierte Bewegung.
Das Powerhouse ist somit kein einzelner Muskel und auch kein klar abgegrenzter anatomischer Bereich. Es ist vielmehr ein funktionelles Zusammenspiel mehrerer Strukturen.
Warum ist das Powerhouse für die Stabilität entscheidend?
Unser Körper muss sich ständig zwischen zwei Anforderungen bewegen: Stabilität und Beweglichkeit.
Wenn wir gehen, etwas heben, uns drehen oder das Gleichgewicht halten, muss der Rumpf ausreichend stabil sein, damit Arme und Beine effizient eingesetzt werden können. Dabei geht es nicht darum, den Rumpf möglichst stark oder dauerhaft anzuspannen.
Entscheidend ist vielmehr die gezielte und situationsgerechte Aktivierung.
Ein gut funktionierendes Powerhouse kann dabei helfen,
- die Wirbelsäule während Bewegungen zu stabilisieren,
- Kräfte zwischen Ober- und Unterkörper zu übertragen,
- Bewegungen kontrollierter und effizienter auszuführen,
- das Gleichgewicht zu unterstützen,
- und unnötige Ausweichbewegungen zu reduzieren.
Stabilität bedeutet also nicht, „steif“ zu werden. Ein funktioneller Rumpf ermöglicht Stabilität bei gleichzeitiger Beweglichkeit.
Wie lässt sich das Powerhouse aktivieren?
Bevor wir mit konkreten Übungen beginnen, geht es zunächst darum, die einzelnen Bestandteile des Powerhouses wahrzunehmen und gezielt zu aktivieren. Dabei steht nicht möglichst viel Kraft im Vordergrund, sondern ein feines und koordiniertes Zusammenspiel.
1. Beckenboden aktivieren
Stelle dir vor, du möchtest den Beckenboden sanft nach innen und oben anheben. Die Aktivierung sollte kontrolliert erfolgen, ohne dabei die Luft anzuhalten oder Gesäss und Bauch unnötig stark anzuspannen. Wichtig ist auch die anschliessende Entspannung: Ein funktioneller Beckenboden kann nicht nur anspannen, sondern auch wieder loslassen.
2. Tiefe Bauchmuskulatur aktivieren
Anschliessend kann die tiefe Bauchmuskulatur, insbesondere der Musculus transversus abdominis, miteinbezogen werden.
Beim Ausatmen kannst du dir vorstellen, den unteren Bauchbereich sanft nach innen zu ziehen. Die Bewegung bleibt klein und kontrolliert. Es geht nicht darum, den Bauch maximal einzuziehen, sondern eine leichte Spannung in der tiefen Bauchmuskulatur wahrzunehmen. Beckenboden und tiefe Bauchmuskulatur können dabei gemeinsam aktiviert werden. Die Atmung bleibt ruhig und frei.
Ist die grundlegende Aktivierung spürbar, kann sie in Bewegungen integriert werden. Dabei lernt der Körper, den Rumpf zu stabilisieren, während sich Arme und Beine bewegen.
Qualität vor Kraft.
Eine gute Aktivierung zeichnet sich dadurch aus, dass sie
- kontrolliert,
- dosiert,
- mit der Atmung koordiniert
- und an die jeweilige Bewegung angepasst ist.
Wer bei jeder Übung den Bauch maximal einzieht, die Luft anhält oder den gesamten Körper versteift, trainiert nicht zwangsläufig eine bessere Rumpfstabilität.
Das Ziel ist vielmehr, dass der Körper lernt, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge an Spannung aufzubauen.
Das Powerhouse als funktionelle Einheit.
Das Powerhouse lässt sich am besten als Teamarbeit verstehen. Tiefe Bauchmuskulatur, Beckenboden und tiefe Rückenmuskulatur arbeiten nicht isoliert voneinander. Gemeinsam tragen sie dazu bei, den Rumpf zu organisieren und Bewegungen zu kontrollieren.
Dabei spielt auch die Atmung eine wichtige Rolle: Das Zwerchfell, die Bauchmuskulatur, der Beckenboden und die tiefen Rückenmuskeln stehen funktionell miteinander in Verbindung.
Ein starkes Powerhouse bedeutet deshalb nicht, möglichst viel Kraft im Bauch zu haben. Es bedeutet, den eigenen Rumpf wahrzunehmen, ihn situationsgerecht zu stabilisieren und gleichzeitig beweglich zu bleiben.
Genau diese Kombination aus Stabilität, Beweglichkeit und Koordination macht das Powerhouse zu einem zentralen Element für effiziente und kontrollierte Bewegung.

