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Ein Liebesbrief an den Körper

Eine Einladung, deinen Körper mit neuen Augen zu sehen

Knarrende Geräusche hallen durch die Flure, während ich die hölzerne Treppe im Haus meiner Mutter aus den 1920er-Jahren hinuntersteige – der Klang des alten Holzes laut in meinen Ohren. Doch es sind nicht die Seufzer eines geliebten, in die Jahre gekommenen Gebäudes, die ich höre. Nein, es ist das Knirschen, Knacken und Mahlen meiner Knie, während ich Schritt für Schritt nach unten gehe und mich am Geländer festhalte. Ich bin erst 32 Jahre alt, und es sind 14 Jahre vergangen, seit man bei mir – wie ich inzwischen vermute: fälschlicherweise eine Schleimbeutelentzündung in den Knien diagnostiziert hat.

Ich habe viele körperliche Beschwerden, über die ich mich beklagen könnte: schlechte Hüften, chronische Migräne, ständige Schmerzen in den Schultern. Es ist so leicht, den eigenen Körper zu tadeln, wenn er scheinbar nicht so funktioniert, wie man es sich wünschen würde. Es gab einmal eine Zeit, in der ich zweimal täglich Yoga praktizierte, Kurse unterrichtete und fast das Doppelte meines Körpergewichts hob. Ich konnte einen Kopfstand auf einem bewegten Paddleboard halten, durch Yosemite wandern und einen Ton beeindruckend lange aushalten. Doch zwischen massiven Rückschlägen durch COVID-bedingtes ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Erschöpfungssyndrom), mysteriösen Gelenkproblemen seit meiner Jugend und dem natürlichen Älterwerden hat sich vieles verändert.

Aber all den Dingen, mit denen mein Körper kämpft, stehen unzählige Fähigkeiten gegenüber, die er mir immer noch schenkt. Ich entscheide mich bewusst dafür, den Fokus darauf zu richten, was ich kann und dankbar zu sein, für das wunderschöne Leben, das mir mein Körper ermöglicht. Vielleicht, wenn ich ihn ein wenig mehr lieben würde, würde er mich auch ein
wenig zurücklieben.

Erika und ich haben gemeinsam eine Ode an unsere körperlichen Formen verfasst – in der Hoffnung, dass sie auch dich dazu inspiriert, all das zu umarmen und wertzuschätzen, was dein Körper dir ermöglicht, ob in Bewegung oder in Ruhe.

Ich bin meinen Augen dankbar für das Geschenk des Sehens. Sie öffnen mir die Welt mit all ihren Wundern: eine Blume, die im ersten Licht erblüht, die Weite des Ozeans, das schelmische Grinsen meines jüngeren Geschwisters. Danke, dass ich sehen darf.

Ich bin dankbar für das Geschenk meiner Stimme. Sie ermöglicht es mir, durch Worte und Intonation die Nuancen des Lebens auszudrücken. Danke für meine Stimme – selbst dann, wenn sie nach langen Unterrichtstagen müde und heiser ist.

Ich halte es nicht für selbstverständlich, zwei Füsse zu haben, die mich durchs Leben tragen: Sie halten mich im Gleichgewicht, federn jeden Schritt ab, drehen mich bei Richtungswechseln und passen sich unebenem Boden an. Danke, dass ihr mich stabil haltet.

Meine Hände sind mein Werkzeug im Unterrichten und im Kontakt mit anderen Menschen. Ich bin dankbar für das Geschenk der Berührung – im Unterricht, in der Wahrnehmung meines eigenen Körpers und im Austausch mit anderen. Danke für die Fähigkeit, mit meinen Händen zu fühlen.

Ich staune über die Geschmacksrezeptoren auf meiner Zunge, die mit jedem Bissen ein Mosaik von Empfindungen auslösen: tröstliche Süsse, elektrisierende Säure, belebende Schärfe und viele weitere Facetten. Danke für die Komplexität des Geschmacks.

Ich bin dankbar für die Widerstandskraft meines Weichteilgewebes. Gerade im Alter nehmen die kleinen Knack- und
Knirschgeräusche zu, und ohne die geschmeidigen, elastischen Eigenschaften unserer Muskeln und Sehnen würden wir viel schneller versteifen. Danke dafür, dass ich meinen Körper bewusst bewegen kann – und für die heilende Weisheit sowie die nährende Kraft, die Pilates und tägliche Bewegung meinen Geweben
schenken.

Meine Leber – dieses biologische Filtersystem fasziniert mich. Sie produziert Energie, reguliert den Blutzucker, synthetisiert Cholesterin, entgiftet ganz natürlich und speichert essenzielle Vitamine. Ehrlich: Was kann sie eigentlich nicht? Danke, dass du mich gesund hältst.

Stille und Atem bilden einen kraftvollen «Doppelpack» für unser Nervensystem. Ich bin unglaublich dankbar dafür, jeden Tag ein paar Minuten Stille erleben zu dürfen. Selbst kurze Momente können Perspektiven verändern, die Stimmung heben, Stress reduzieren und so viel mehr.

«Fähig zu sein, länger als 20 Minuten konzentriert zu bleiben. Nicht aufs Handy zu schauen. Nicht den Tab zu wechseln. Keine Hintergrundgeräusche zu brauchen. Nur du und eine Aufgabe. Früher war das normal. Heute ist es eine Superkraft. Während die Aufmerksamkeit aller in 30-Sekunden-Häppchen zerfällt, gehört die
Zukunft denjenigen, die eine Stunde lang tief denken können. Schütze deinen Fokus, als hinge dein Leben davon ab.»
~ Scott Clary

All dies ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, wie erstaunlich unser Körper uns nicht nur leben, sondern das Leben in all seinen Facetten erfahren lässt. Er ist ein wunderbares, beinahe magisches System – technisch beeindruckend und zugleich fähig, uns Kunst erschaffen, Beziehungen erleben und Abenteuer bestehen zu lassen. Also, wenn du dich das nächste Mal sagen hörst: «Blöde Knie», denke stattdessen daran, wie sehr sie sich anstrengen und an all die anderen Teile deines Körpers, die jeden Tag zuverlässig für dich arbeiten.

Clare Murphy ist eine irische Meistererzählerin, die weltweit mit lebendigen, humorvollen und berührenden Geschichten begeistert. Ihre Performances verbinden Mythologie und moderne Themen zu einzigartigen Erlebnissen.